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Was ist Factoring: Wie Unternehmen Liquidität sichern und wachsen können

  • Autorenbild: Laura
    Laura
  • 13. Aug. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Sept. 2025



Factoring ist eine Finanzierungsform, bei der Unternehmen ihre offenen Forderungen an ein Factoring-Unternehmen (den sogenannten Factor) verkaufen. Statt wochen- oder monatelang auf den Zahlungseingang von KundInnen zu warten, erhalten sie innerhalb weniger Tage – oft schon innerhalb von 24 bis 48 Stunden – den Großteil des Rechnungsbetrags ausgezahlt. Der Factor übernimmt dabei nicht nur die Finanzierung, sondern häufig auch das Forderungsmanagement und in vielen Fällen das Ausfallrisiko, falls KundInnen nicht zahlen.


In Deutschland ist Factoring besonders für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) interessant, da diese häufig mit langen Zahlungszielen konfrontiert sind. Während Rechnungen oft erst nach 30, 60 oder sogar 90 Tagen beglichen werden, müssen Unternehmen Investitionen, Löhne, Materialkosten und laufende Ausgaben sofort stemmen. Factoring schließt diese Liquiditätslücke, ohne neue Schulden aufzunehmen oder Kreditlinien bei Banken zu belasten.


Vorteile von Factoring


  • Sofortige Liquidität: Unternehmen müssen nicht auf Zahlungen warten und können kurzfristig reagieren – sei es für Materialbestellungen, Personalplanung oder Investitionen.


  • Planungssicherheit: Durch schnelle Zahlungen verbessert sich die Finanzplanung erheblich. UnternehmerInnen wissen genau, wann Geld zur Verfügung steht.


  • Entlastung der Verwaltung: Viele Factoring-Anbieter übernehmen Rechnungsmanagement, Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen. Das spart Zeit und interne Ressourcen.


  • Schutz vor Zahlungsausfällen: Beim echten Factoring (Full-Service-Factoring) trägt der Anbieter das Ausfallrisiko. Unternehmen sind so gegen Forderungsausfälle abgesichert.


  • Bessere Verhandlungsposition: Mit stabiler Liquidität können KMU größere Aufträge annehmen, in Vorleistung gehen und Lieferantenrabatte nutzen.


Mögliche Nachteile von Factoring


  • Kosten:Factoring ist nicht kostenlos. Gebühren und Zinsen variieren je nach Anbieter, Rechnungsvolumen und Bonität.


  • Kundenbeziehung:Da der Factor oft direkt mit den KundInnen kommuniziert, kann dies das Verhältnis beeinflussen. Seriöse Anbieter treten jedoch professionell auf.


  • Vertragsbindung:Einige Factoring-Verträge sind langfristig oder erfordern ein bestimmtes Rechnungsvolumen. Hier lohnt es sich, Angebote zu vergleichen.




Wie funktioniert Factoring genau? – Die Methodik


Beim Factoring erstellt ein Unternehmen wie gewohnt eine Rechnung an seinen Kunden und übermittelt diese anschließend an den Factoring-Anbieter. Dieser prüft die Rechnung und zahlt in der Regel innerhalb von 24 bis 48 Stunden bis zu 90 Prozent des Rechnungsbetrags direkt an das Unternehmen aus. Der Kunde begleicht die Rechnung daraufhin nicht mehr beim Unternehmen selbst, sondern direkt beim Factoring-Partner. Sobald die Zahlung des Kunden eingegangen ist, erhält das Unternehmen den verbleibenden Betrag, abzüglich der vereinbarten Factoring-Gebühr.

Durch dieses Verfahren wird gebundenes Kapital in offenen Forderungen sofort nutzbar gemacht. Factoring ist damit eine flexible Finanzierungsform, die Liquidität sichert, ohne neue Schulden aufzunehmen.


Warum Factoring besonders für deutsche Unternehmen sinnvoll ist


In Deutschland sind lange Zahlungsziele branchenübergreifend üblich. Während Kunden Unternehmen teilweise bis zu 90 Tage Zeit für die Rechnungsbegleichung lassen, sind Investitionen oft sofort nötig: Material muss bestellt, Löhne gezahlt und Projekte vorfinanziert werden.

Gerade für KMU, die sich nicht immer auf hohe Kreditlinien verlassen können, ist Factoring ein wertvolles Instrument. Es entlastet die Liquidität und ermöglicht es UnternehmerInnen, Wachstumschancen zu nutzen, ohne sich finanziell zu übernehmen.


Praxisbeispiele aus verschiedenen Branchen


Handwerksbetriebe

Ein Heizungs- und Sanitärbetrieb erhält einen Großauftrag für eine Wohnanlage. Die Materialkosten sind hoch, und MitarbeiterInnen müssen bezahlt werden, bevor die KundInnen ihre Rechnung begleichen. Mit Factoring erhält der Betrieb das Geld sofort und kann den Auftrag problemlos umsetzen, ohne Kredit bei der Bank aufnehmen zu müssen.


Personaldienstleister

Zeitarbeitsfirmen zahlen Löhne wöchentlich oder monatlich, während ihre KundInnen oft erst nach mehreren Wochen zahlen. Factoring gleicht diese Diskrepanz aus, sorgt für pünktliche Gehaltszahlungen und ermöglicht es, neue MitarbeiterInnen einzustellen, ohne Liquiditätsengpässe zu riskieren.


FotografInnen und Kreativdienstleister

FreiberuflerInnen und EinzelunternehmerInnen wie FotografInnen oder MarketingberaterInnen arbeiten häufig projektbezogen und müssen Ausgaben wie Reisekosten oder Equipment vorstrecken. Durch Factoring können sie ihre Rechnungen sofort zu Geld machen und sich ganz auf kreative Arbeit und Kundenprojekte konzentrieren.


Marketing- und Beratungsagenturen

Agenturen investieren oft in Tools, Kampagnen und externe Dienstleister, bevor ein Kunde zahlt. Factoring verschafft Planungssicherheit und ermöglicht die Vorfinanzierung großer Projekte, ohne dass die Liquidität darunter leidet.



Beispielrechnung: Wie Factoring funktioniert


Anhand von einem vereinfachten Rechenbeispiel möchten wir deutlich machen, wie Factoring funktionier. Ein Handwerksbetrieb stellt für einen Großkunden eine Rechnung über 10.000 € netto aus. Das Zahlungsziel beträgt 60 Tage. Statt zwei Monate auf den Zahlungseingang zu warten, verkauft der Betrieb die Rechnung an einen Factoring-Anbieter.


Ablauf:

  1. Rechnungsverkauf:Der Betrieb reicht die Rechnung beim Factoring-Unternehmen ein.


  2. Sofortauszahlung:Innerhalb von 48 Stunden zahlt der Anbieter 90 % des Rechnungsbetrags aus: 90 % von 10.000 € = 9.000 € sofort verfügbar


  3. Gebühren:Der Factor berechnet eine Gebühr von 2 % des Rechnungsbetrags:

    2 % von 10.000 € = 200 € Gebühr


  4. Restzahlung nach Kundenzahlung:Nach 60 Tagen zahlt der Kunde die Rechnung direkt an den Factor.Der Betrieb erhält den Restbetrag (10 % = 1.000 €) abzüglich der Gebühr:

    1.000 € – 200 € = 800 €


Ergebnis:

  • Sofort verfügbar: 9.000 €

  • Nach 60 Tagen: 800 €

  • Gesamterlös: 9.800 €

  • Effektive Kosten für Factoring: 200 €

  • Liquidität sofort gesichert, keine Kreditaufnahme nötig, Zahlungsausfallrisiko liegt beim Factor.


Das Beispiel zeigt deutlich, dass für eine überschaubare Gebühr erhält das Unternehmen sofortiges Kapital, kann laufende Kosten decken und Projekte finanzieren, ohne sich Sorgen um späte Zahlungen oder Ausfälle machen zu müssen.


Fazit: Flexibilität und Sicherheit für KMU


Factoring ist weit mehr als nur eine Finanzierungsform – es ist ein strategisches Werkzeug für Unternehmen, die langfristig wachsen wollen. Besonders in Deutschland, wo lange Zahlungsziele üblich sind, können Handwerksbetriebe, Personaldienstleister und Freelancer durch Factoring Liquidität sichern, Risiken minimieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Wer seine Rechnungen zu Geld macht, bevor sie bezahlt werden, schafft sich Freiräume: für Investitionen, neue Aufträge und entspanntes Wachstum.


Close-up view of a business professional reviewing financial documents
Haben auch Sie offene Forderungen und hohe Investitionsausgaben? Vielleicht ist Factoring der richtige Schritt.

 
 
 

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